º Technik für Anfänger
º Technik für Fortgeschrittene

DAS RITUELLE PAARGESPRÄCH
(nach Lukas B. Möller, Peter Müller-Egloff und Helga Fischer-Mamblona)

Spielregeln und Perspektiven
Von Dr.Christiane Schleidt und Roland Zag

Das Rituelle Zwiegespräch eignet sich für Paarbeziehungen aller Schichten und Altersklassen. Es entwickelt eine Form der Auseinandersetzung, die sich deutlich aus dem Alltag abhebt. Angestrebt wird eine Kommunikation von Gefühlen im Vertrauen darauf, dass Gefühle sich nur verändern können, wenn sie auch mitgeteilt werden. So entsteht eine Qualität des Austauschs, die sich unter normalen Umständen kaum erzielen lässt. Positive wie negative Emotionen können sich entfalten und verwandeln, indem sie formuliert und vom Gegenüber angenommen worden sind. Die "männliche" und die "weibliche" Ebene haben das gleiche Anrecht und Gewicht.

Ziel ist größtmöglicher Respekt vor den eigenen Gefühlen und denen des Partners. Jeder soll im Rahmen dieses Gesprächs sagen dürfen, was er empfindet. Der Partner lässt dies zu, indem er dem Gegenüber den Raum fürs Eigene zugesteht. Zu unterbrechen, zu interpretieren oder dagegen zu argumentieren ist nicht zulässig. ALLE Gefühle sind grundsätzlich erlaubt, und ALLE sind grundsätzlich gleich viel wert. Alle haben auch ein Recht, so zu sein wie sie sind. Jeder Partner wird gleichwertig behandelt; d.h. jeder hat soviel Gelegenheit, sich selbst in dem Maß auszusprechen, wie er auch zuhört.

Es muss darauf geachtet werden, dass jeder nur von sich selbst spricht. Nicht erlaubt sind gegenseitige Zuschreibungen. Also muss es im Rituellen Zwiegespräch heißen: "Was Du gesagt hast, hat in mir das Gefühl der Verletzung ausgelöst." Nicht aber: "Du hast mich verletzt." Voraussetzung ist, dass jeder Partner sehr genau zuhört und sich auf sich selbst besinnt.

Damit wird vermieden, dass die Verantwortung für die eigene Befindlichkeit an den andern delegiert wird. Ausgeschlossen sind deshalb Formulierungen wie "Du mit deiner (Unpünktlichkeit o.ä.)"; "Dein ewiges (...)"; "wenn du dann jedes mal (....)". Die korrekte Formulierung ist dagegen genau und konkret: "Als du da und da zu spät kamst, hatte ich das Gefühl (...)". "Als du das letzte mal (...), löste das in mir (...) aus"; usw.

Ebenfalls ausgeschlossen sind "Kolonialisierungen", also wenn einer versucht, im Bereich des anderen die Macht zu übernehmen. Deshalb sind auch Formulierungen wie: "Sieh endlich ein, dass (...)" "Hör endlich auf zu (...)"; "Tu erst mal selbst (...)" nicht zugelassen.

Jeder übernimmt Verantwortung für das, was er sagt, und berichtet nur von dem, was in ihm vorgeht. Keiner von beiden hat mehr "Recht" oder ist "besser".

Das Rituelle Zwiegespräch muss im Kontakt mit Therapeuten erlernt werden. Nach ca. 3 angeleiteten Sitzungen kann es vom Paar dann selbständig und regelmäßig wiederholt werden. Folge ist eine sehr wesentlich verbesserte Fähigkeit zur Kommunikation und Respektnahme für die Bedürfnisse des anderen.



TECHNIK für Anfänger-----------------

Jedes Paar bestimmt einen festen Termin einmal die Woche von etwa 45 oder mehr Minuten. Dieser Termin sollte von beiden ernst genommen und gemeinsam eingeleitet werden.

Man setzt sich entspannt gegenüber, schafft gegebenenfalls eine gute intime Atmosphäre. Essen und Trinken sind dabei ausgeschlossen.

Eingeleitet wird das Rituelle Zwiegespräch IMMER von ein bis zwei Minuten schweigender Atemübung. Jeder spürt in sich hinein und versucht, sich genau der eigenen Befindlichkeit im Moment klar zu werden.

Die Anordnung des Paars kann auch Rücken an Rücken sein, sodass man sich gegenseitig nicht in die Augen sieht und die Wahrnehmung der eigenen Befindlichkeit leichter fällt.

Dann beginnt Partner A mit der Formulierung: "Was ich dir gerne mitteilen will..." Partner B antwortet: "Ich bin bereit."

A äußert möglichst nur ein ganz bestimmtes Gefühl oder Thema in wenigen Sätzen. Wenn A geendet hat, antwortet B mit "Danke". Danach folgt wieder eine gemeinsame Atempause, in der beide ihren Gefühlen nachgehen.

Danach beginnt B wieder mit den Worten: "Was ich Dir nun gerne mitteilen möchte". B versucht nun möglichst exakt, die Kernaussage von A zu wiederholen. Eingeleitet wird dies mit den Worten: "Ich habe gehört, dass du (...) so und so erlebst".
Nach der Rekapitulation des Gehörten folgt der zweite Teil von B¹s Antwort, eingeleitet mit der Formulierung: "Das löst in mir aus, dass..." B versucht nun, ganz bei den eigenen Gefühlen zu bleiben und niemals in Schuldzuschreibungen zu kommen.

Passiert dies aber dennoch, hat A das Recht, "Stop" zu sagen. B hört dann (ohne Widerrede) auf und beginnt den Gedanken nochmals, bleibt aber ganz bei sich.

Diese Folge wird wiederholt, bis beide das Gefühl haben, einen befriedigenden Schluss gefunden zu haben. Das wird in der Regel etwa nach einer dreiviertel Stunde der Fall sein.

NACH dem Rituellen Zwiegespräch gilt die Vereinbarung, über das Gesagte und Gehörte zu schweigen. Die intimen Gedanken sollen nicht zerredet werden. Am besten gönnt sich das Paar nach dem Gespräch ein gemeinsames entspannendes Erlebnis. Der Faden des rituellen Gesprächs sollte wenn möglich erst wieder in der nächsten Sitzung aufgenommen und fortgesponnen werden.


TECHNIK für Fortgeschrittene

Die obigen Regeln gelten genau wie hier.

Nur wird per Eieruhr, Wecker, Zeitschaltuhr oder gegenseitige Kontrolle vereinbart, dass die Redezeit von jedem genau 10 Minuten beträgt. Damit kann sich jeder Partner seiner eigenen Gefühlswelt sehr genau zuwenden, aber auch Pausen einlegen oder neue Themen einführen. Garantiert ist in jedem Fall, dass 10 Minuten für jeden Raum sind.

Für den Gegenpart entfällt danach die Rekapitulation des Gesagten. B kann sofort dazu übergehen, sich seinen eigenen Gefühlen zu widmen. Natürlich antwortet B so genau wie möglich auf die Einlassungen von A.

Diese Technik kann u.U. etwas mehr Zeit beanspruchen. Das Rituelle Zwiegespräch wird dann 60 Minuten und länger ausgedehnt – je nach Bedarf.


Das Rituelle Zwiegespräch sollte mindestens einmal die Woche geführt und in seiner Funktion ernst genommen werden. Die optimale Wirkung wird erzielt, wenn das Paar nach ca. 3 angeleiteten Stunden an einer Gruppensitzung mit drei Paaren teilnimmt. Die Gruppensituation schafft einen Rahmen von besonderer Intensität, wobei das Feedback der Gruppenteilnehmer eine sehr wesentliche Ergänzung und Anregung ist.


München, August 2004

Dr.Christiane Schleidt
Roland Zag

---------------------- Anfragen zum rituellen Paargespräch per e-mail

© the-human-factor